Architektur und Städtebau:
Im Zuge der Neugestaltung des Dorfplatzes in Reichenkirchen wurde als erster Schritt die Verlagerung des Leichenhauses in Angriff genommen. Der Neubau sollte barrierefrei sein und zusätzliche Nutzungen, wie einen Nebenraum, einen Lagerraum für Vereine sowie die Garage des Pfarrers beherbergen. Die Herausforderung war, diese unterschiedlichen Nutzungen in einem gestalterischen Gesamtkonzept zu vereinen. Während das Leichenhaus der Kirche und dem Friedhof zuzuordnen war, sollten die Nebenräume und die Garage das Erscheinungsbild des Leichenhauses nicht stören.
Deshalb entschied man sich für einen einfachen, zweigeschossigen Baukörper. Dörfliche Strukturen aus dem Urkataster, wie grenzständige und schlanke Baukörper, wurden aufgenommen. Städtebaulich erfährt die Gesamtanlage, bestehend aus Kirche, Friedhof und Pfarrhaus, durch den Neubau eine Aufwertung.
Unter Ausnutzung der Topographie und der Höhenlage des Friedhofs konnten die unterschiedlichen Funktionen räumlich getrennt werden. Der Zugang zum Leichenhaus erfolgt über den Friedhof im oberen Geschoss. Garage und Vereins-Lagerraum werden von Norden über die untere Geschossebene erschlossen.
Durch die Verkleidung des Nebenbauteils mit Lärchenholzschalung, gelang es, die Öffnungen nahezu unsichtbar in der Fläche verschwinden zu lassen. So treten die untergeordneten Funktionen nicht in
Konkurrenz mit dem Leichenhaus. Im Gegensatz dazu ist das Leichenhaus von der repräsentativen Giebelseite von Süden zugänglich. Eine anspruchsvolle Fassadengestaltung erreichte man durch eine rahmenlose Verglasung (Structural Glazing) und durch eine bündig in die Verglasung eingelassene zweiflüglige Metalltüre.
Künstlerische Gestaltung:
Angestrebt wurde eine schlichte Gestaltung, die sich in die dörfliche Bebauung selbstverständlich und unaufdringlich einfügt. Die „Kreuz-Form“ wurde in Fassade und Innenraum aufgegriffen und modern
übersetzt. Sie findet sich wieder in der Profilierung der Eingangstüre und profilgleich an der rückwärtigen Innenwand des Leichenhauses in Form eines Lichtkreuzes, das die Hoffnung auf die Auferstehung symbolisieren soll.
Als „in das Gebäude integrierte Kunst am Bau“ wurden in der repräsentativen Zugangstüre, in moderner Kalligraphie, Ausschnitte aus dem Lukasevangelium (Lukas 24, Auferstehung) mittels CNC- Technik präzise in die Metalloberfläche eingefräst.
Dahinter findet man einen ruhigen, pietätvollen Raum, ganz in Weiß gehalten, ohne störende Zutaten und Einbauten, mit dem schlichten Lichtkreuz an der Rückwand. Schützend liegt das raumbildende, steile Satteldach über dem schlanken Baukörper.
Mit Augenmerk auf die umgebende Bebauung wurde Wert gelegt auf traditionelle Formen und Materialien:
Mauerwerksbau, weiß verputzt; partiell Holzkonstruktionen; rotes, steiles Ziegeldach, Kupferblech;
Im Kontrast dazu steht die Hightech- Fassade mit der künstlerisch gestalteten Türe und der rahmenlosen Verglasung, die den Bezug zum Außenraum herstellt. Die durchgehende Pflasterung vom Innenraum zum Vorplatz verstärkt diesen Effekt.
Durch sorgfältige Detailplanung konnte ein architektonisch ansprechender, aber dennoch bescheidener Baukörper geschaffen werden, der sich in seinem Gesamterscheinungsbild unaufdringlich in die Umgebung einfügt.