Hügellandhallepuerstl langmaier architekten, St. Margarethen an der Raab, 2010Ein neuer Hügel für das HügellandDie oststeirische 4000-Seelen-Gemeinde St. Margarethen an der Raab erfährt mit der Hügellandhalle von puerstl langmaier architekten und dem, ebenfalls vom Grazer Büro umgebauten Gasthof Thaller eine markante Aufwertung des Ortskerns. Direkt am neuen, von HoG Architektur gestalteten Marktplatz gelegen fügt sich die im April eröffnete Halle gleichermaßen in den Ort ein und setzt neue gestalterische Akzente.Das aus einem offenen EU-weiten Wettbewerb als Sieger hervorgegangene Projekt nimmt die Hauptrichtung der früheren Bebauung des ehemaligen Schlachthofgeländes auf und entwickelt einen hügelartig aufsteigenden, skulpturalen Baukörper, der neben dem Saal für 500 Personen (bestuhlt) ein Foyer sowie einen großzügigen Backstagebereich und Technikräume beherbergt. Das Gebäude schließt direkt an den Gasthof an, dessen erdig-beständiges Erscheinungsbild einen Kontrast zur Leichtigkeit der mit weißen Faserzementplatten verkleideten Halle bildet.Das dem Marktplatz zugewandte, einladend auskragende Vordach weist dem Besucher den Weg in das Gebäude und stellt eine Verbindung des verglasten Foyers mit dem Vorplatz her. Dieser passt sich in Materialität und Formgebung dem Marktplatz an und durch die niveaugleiche Ausführung kann die gesamte Fläche flexibel bespielt werden. Durch das helle Foyer, das über Glastüren mit dem umgebauten Gasthof verbunden ist und so auch separat genutzt werden kann, gelangt der Besucher in das Herzstück des Gebäudes, den rund acht Meter hohen Saal.Die Anforderungen der Gemeinde umfassten vielfältigste Nutzungen, von Blasmusik bis zum Klavierkonzert, von Lesungen über Hochzeiten bis zu Rockkonzerten. In Zusammenarbeit mit Akustikern entwickelten die Architekten ein Konzept mit gefalteten Seitenwänden und Decke, akustisch bedämpften, partiell perforierten Oberflächen, einer Mehrfachbühne mit einer schweren Rückwand aus Sichtbeton und raumhohen Samtvorhängen, die eine variable Akustik ermöglichen. Zusätzlich ist der Saal in der Mitte abteilbar.Das Gebäude ist als Holzkonstruktion aus Leimbindern und KLH konzipiert. Nur das Untergeschoß und – aus schalltechnischen bzw. statischen Gründen – zwei Querwände sind aus Stahlbeton. Mit dem Leichtbau wurde auf die geringe Tragfähigkeit des Baugrundes reagiert, eine schwerere Konstruktion hätte zu hohe Kosten für die Gründung zur Folge gehabt. Im gesamten Gebäude dominieren helle Farben und Brettschichtholz in Sichtqualität. Im Saal und im Foyer wurde Parkettboden verlegt, im Backstagebereich und in den Nebenräumen vergüteter Estrich. Die Heizung des Saals erfolgt über Warmluft, um ein schnelles Ansprechverhalten zu erzielen, das Foyer verfügt über eine Fußbodenheizung. Die gesamte Energie kommt übrigens über Fernwärme aus einer nahen Biogasanlage.Nicht nur an die Saalakustik, sondern auch an den Schallschutz wurden hohe Anforderungen gestellt, die eine sehr genaue Detailarbeit erforderten. Aufgrund der Lage im Ortszentrum durfte die Halle die bestehende Schallbelastung der Umgebung nicht erhöhen, was hohe Schalldämmwerte der Außenhaut erforderte. Die Verkleidung aus hochdruckverpressten Wanit-Fassadentafeln wirkt schon durch die Montage auf der Unterkonstruktion schalldämpfend, zusätzlich wurden alle Fugen luftdicht ausgeführt. Das monolithische Erscheinungsbild wurde durch die exakte Planung des Fugenbildes und eine geschickte Detaillierung erreicht. Ein Fensterband für die natürliche Belichtung und die Brandrauchentlüftung des Saals befindet sich über dem Vordach, ein zweites zur Belichtung des Untergeschoßes im Sockelbereich. Alle anderen notwendigen Öffnungen wurden hinter gelochten Fassadenplatten versteckt. Auch die gesamte Lüftungstechnik verschwindet unter dem Gebäude und hinter Fassadenplatten, die ursprünglich als fünfte Fassade auch das Dach hätten bedecken sollen.Der bestehende Gasthof neben der Halle wurde renoviert und dabei komplett umgestaltet. Das Satteldach wurde entfernt und es entstand ein reduziertes, dreigeschoßiges kubisches Volumen mit einer prägnanten, umbrafarbenen Lochfassade. Die Fensterachsen wurden ebenso beibehalten wie die restaurierte Eingangstüre aus Holz. Im Erdgeschoß wurden die Gasträume zum Marktplatz hin orientiert, wo auch ein Gastgarten geplant ist. Während einige Gewölbe weichen mussten, konnten alte Fensterstürze aus gehacktem Holz erhalten werden. In den zwei Obergeschoßen befinden sich zwölf Wohnungen, in denen durch die dicken Außenmauern das Alter des Gebäudes spürbar ist.Ein Nebengebäude enthält Lagerräume für die Halle und ist Kellerersatz für die Wohnungen. Die einfache Konstruktion ergänzt durch die Verkleidung mit dunklen Eternit-Dachplatten harmonisch den Komplex.Als Herz des gesamten Ensembles bewirkt die, seit ihrer Eröffnung bestens ausgelastete Hügellandhalle eine Belebung und Modernisierung von St. Margarethen an der Raab, das dieses Jahr zum Markt erhoben wird, und der gesamten Region.Text: Martin Grabner